DIE GEBURT VON BANKSY

Über Banksys kontroverse Stunts und politische Botschaften ist viel berichtet worden. Das Gegenteil ist allerdings der Fall, wenn es um sein persönliches Leben und seine Herkunft geht. Das Smithsonian Magazine fand die künstlerischen Wurzeln Banksys angeblich im Bristoler Stadtteil Barton Hill. Der Künstler soll aus einem wohlhabenderen Teil der Stadt stammen und sich trotz der Warnungen seines Vaters in dieses einschüchternde Viertel gewagt haben.
Der Ruf von Barton Hill als Drogen- und Verbrecherviertel spielte wahrscheinlich eine große Rolle bei der Wahl seines Namens. Ursprünglich nannte er sich Robin Banx (wie in Robin Banks), aber er kürzte den Namen auf etwas Einprägsameres und vor allem Schnelleres, um ihn auf Wände schreiben zu können. So wurde Banksy geboren.
EIN REVOLUTIONÄR ODER HEUCHLER?

Als Banksy seine Kritik am kapitalistischen Establishment in Kunst und Gesellschaft zum Ausdruck brachte, sah er sich auch mit denen konfrontiert, die glaubten, er profitiere von demselben System, dass er angeblich so verachtet. Dass Banksy angeblich ein Heuchler sein soll wurde noch deutlicher, nachdem der Künstler sein Kunstwerk “Girl With Balloon” vernichtete.
Auch wenn er das Geld, dass das Gemälde bei der Auktion einbrachte, wahrscheinlich nicht zu Gesicht bekommen hat, so hat der Stunt doch den potenziellen Wert seines zukünftigen Werks effektiv gesteigert. Einige Streetart-Experten gehen sogar so weit zu sagen, dass Banksy genauso ein Kapitalist ist wie jeder andere auch. Wenn man sich die horrenden Preise ansieht, die seine anderen Werke erzielt haben, würde man dem wahrscheinlich auch zustimmen.
SEIN STIL WURDE AUS DER NOT HERAUS GEBOREN

Seinen unverwechselbaren Stil entwickelte Banksy später nach einer herzzerreißenden Begegnung mit der örtlichen Polizei. Eines Tages waren er und einige Freunde dabei, einen Zug zu bemalen, als die Polizei auftauchte. Banksy wurde von seinen Kumpels an Ort und Stelle zurückgelassen, als diese zum Auto rannten. Banksy musste sich über eine Stunde lang unter einem Öltransporter versteckten, bis es sicher war, herauszukommen.
Dort kauernd, tropfend vor Motoröl und kurz davor, erwischt zu werden, wurde ihm klar, dass er seine Kunst schneller schaffen musste, als die Polizisten ihn erwischen konnten. Die Erkenntnis kam ihm, als er ein mit Schablonen versehenes Schild sah. Banksy beschloss, von nun an dieselbe Technik zu verwenden.
RÜCKZUG IN DIE ANONYMITÄT

Schon bevor er bekannt wurde, erkannte Banksy, dass es klüger ist, anonym zu bleiben. Der offensichtlichste Grund ist, dass er sich so den häufigen potenziellen Verhaftungen entziehen kann. Denn Graffiti, die zu Schäden an öffentlichem Eigentum führen, sind im Vereinigten Königreich, wie vermutlich überall auf der Welt, eine Straftat. Graffiti Künstler die erwischt werden müssen mit einer Geldstrafe von bis zu £5.000 ($6.700) oder sogar mit bis zu einem Jahr Gefängnis rechnen.
Banksy sah aber auch die positive Seite des Verbergens seiner wahren Identität. Das Anonym-Sein könnte ihm schließlich helfen, die Aufmerksamkeit auf seine Kunst zu lenken und ihn selbst noch mysteriöser wirken zu lassen. Das Timing dieser Entscheidung Ende der 90er Jahre erwies sich als perfekt, denn sein Bekanntheitsgrad stieg damals extrem an, und seine Kunst fand ihren Weg in immer mehr Straßen der Stadt.
ER BAUTE SEINE EIGENE VERDREHTE VERSION VON DISNEYLAND

Wie hoch auch immer Banksys Einnahmen aus seiner Kunst sein mögen, seine Fans können froh sein, dass seine Mittel es ihm erlauben, die ehrgeizigen Projekte zu verwirklichen, die wir von ihm gewöhnt sind. Im Jahr 2015 stellte er eines seiner bisher umfangreichsten Projekte vor. “Dismaland” ist ein apokalyptischer Themenpark, der auf einem heruntergekommenen Seebad in Somerset, England, errichtet wurde.
Und nein, es war nicht nur eine Pop-up-Ausstellung mit Werken von Banksy und 58 anderen Künstlern. Wer sich während des fünfwöchigen Öffnungszeitraums im Jahr 2015 in die Gegend traute, hätte einen abgedrehten Cousin von Disneyland in vollen Zügen genießen können (oder auch nicht).
DISMALAND: EIN ORT, AN DEM NIEMAND SPASS HAT

Wenn man die Tore des Parks betritt, wird man sofort von den mies gelaunten Mitarbeitern von Dismaland begrüßt. Weder ein Lächeln noch ein "Have a nice day!" ist aus den Mitarbeitern zu entlocken, wie es dem Stereotyp der Briten und ihrem Standard-Kundenservice sonst entspricht. Man kann mit Sicherheit sagen, dass niemand in Banksys Freizeitpark Spaß haben wird.
Außerdem patrouillieren verkleidete Fake-Parkwächter auf dem Gelände des Parks auf der Suche nach Regelbrechern. Ihre Bestrafungen sind allerdings echt, denn Regelbrecher, die sich nicht düster genug verhalten können durchaus dazu aufgefordert werden, für ein paar Minuten auf der Stelle zu hüpfen.
EINE POPKULTUR-IKONE

Für seine öffentlichkeitswirksamen Stunts und seine bissigen Kommentare zu drängenden Fragen unserer Zeit sind Banksy und seine Bilder zu einem wichtigen Bestandteil der Popkultur des 21. Jahrhunderts geworden. Einige erinnern sich sicher daran, dass er in die Liste der 100 einflussreichsten Menschen des Time Magazine im Jahr 2010 aufgenommen wurde.
Neben Porträts von Steve Jobs, Lady Gaga und Barack Obama findet sich dort auch ein Foto von ihm, auf dem er sein Gesicht mit einer Papiertüte bedeckt, die von Banksy selbst stammt. Der amerikanische Straßenkünstler Shepard Fairey lobte ihn in einem begleitenden Artikel für sein Engagement, Kunst für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
HANKSY: BANKSY TRIFFT TOM HANKS

Hanksy ist ein der Künstler, der vom großen Banksy beeinflusst worden ist. Der in New York City lebende Parodist nahm sich ein Beispiel an seinem britischen Kollegen und wurde 2011 bekannt, als er das Gesicht des Schauspielers Tom Hanks auf ein von Banksy gemaltes Graffiti setzte. Sicher kann man sich vorstellen, wie er auf den Künstlernamen Hansky gekommen ist.
Aber Hanksy blieb nicht hinter seinem komödiantischen Pseudonym verborgen. Er wollte mehr als nur ein Meme-Künstler sein, und ging deshalb fortan unter seinem richtigen Namen Adam Lucas an die Öffentlichkeit. Was den echten Banksy angeht, so tappen die Leute immer noch im Dunkeln, was seine wahre Identität angeht. Wobei, einige in der Vergangenheit der Wahrheit vielleicht näher auf der Spur waren, als sie dachten...
WILL THE REAL BANKSY PLEASE STAND UP

Mit Hilfe von Kriminologie, Mathematik und geografischer Profilerstellung hat sich eine Gruppe von Wissenschaftlern der Queen Mary University entschlossen, den Straßenkünstler aufspüren zu wollen. Die Forscher erstellten eine Karte der bekannten Werke von Banksy in Bristol und London und verglichen sie dann mit den Standorten von Personen, die in der Vergangenheit verdächtigt worden, Banksy zu sein.
Die Ergebnisse ihrer Forschung wurden 2016 im Journal of Spatial Science veröffentlicht. Die Ergebnisse wiesen auf einen Hauptkandidaten hin, der der echte Banksy sein könnte, und Steve Le Comber, ein Mitglied des Forschungsteams, äußerte sich zuversichtlich dass die Identität des Künstlers schon bald jedermann bekannt sein sollte.
EIN HAUPTVERDÄCHTIGER

Die Hinweise verhärteten sich, dass es sich bei Banksy um den Künstler Robin Gunningham handelt, der ebenfalls aus Bristol stammt. Die Vermutungen über Gunninghams Alter Ego gehen auf einen Bericht der Daily Mail aus dem Jahr 2008 zurück. Unabhängig davon, ob er wirklich der schwer fassbare Straßenkünstler ist oder nicht, profitiert er auf jeden Fall vom Interesse der Menschen an ihm.
Eines von Gunninghams Werken, eine Zeichnung einer Plattenhülle, erzielte bei einer Auktion im Jahr 2018 einen Preis von 4.000 Pfund (5.242 Dollar), was ohne Zweifel darauf zurückzuführen ist, dass die Bieter hofften, einen echten Banksy in die Finger zu bekommen. Und wer erstmal die Ähnlichkeit zwischen den Werken der beiden Künstlern mit eigenen Augen gesehen hat, der hätte es sicherlich auch zweimal überlegt den ein oder anderen Monatslohn für ein Bild von Gunningham auf einer Aktion zu versetzen.
DIE ROBERT-DEL-NAJA-THEORIE

Robert Del Naja, Mitglied der Band Massive Attack, stammt ebenfalls aus Bristol und ist ein weiterer Kandidat dafür, der echte Banksy zu sein. Der 55-Jährige begann seine Street-Art-Karriere ebenfalls in den 90er Jahren und schuf zahlreiche Graffiti mit verschiedenen Künstlern Kollektiven. Aber gibt es darüber hinaus wirklich belastendsten Beweise gegen ihn?
Del Naja hat einmal eine Plattenhülle für seine Band entworfen, die Banksys charakteristischem Stil verblüffend ähnlich sieht. Beide Künstler haben sich jedoch zu der Theorie ihrer Identität geäußert und gesagt, dass sie eigentlich befreundet seien. Oder war das am Ende alles nur ein Trick, um uns auf eine falsche Fährte zu locken?
WAR ER DIE GANZE ZEIT UNTER UNS?

Sicher werden sich die meisten an Thierry Guetta aus dem Dokumentarfilm “Exit Through The Gift Shop” erinnern. Thierry gehört ebenfalls zum Kreis der Verdächtigen. Es wird spekuliert, dass Guetta, auch bekannt als Mr. Brainwash sich extra stets als mittelmäßig begabten Künstler in der Öffentlichkeit gibt. Wenn das stimmen sollte, dann hätte sich Banksy die ganze Zeit quasi in der Öffentlichkeit versteckt und uns alle an der Nase herum geführt.
Nach Banksys Sinn für Humor zu urteilen, scheint diese Theorie durchaus plausibel zu sein, auch wenn sie zunächst noch so abwegig klingen mag. Guetta selbst scheint jedoch nicht der einzige zu sein, der seine Kunst schlecht redet, denn die berühmt-berüchtigte Website Artnet stellte erst jüngst fest, dass auch renommierte Kunstkritiker seine Arbeit für eher mittelmäßig befinden.
NEUE INDIZIEN KOMMEN ANS LICHT

Unterdessen tauchte 2019 ein Fernsehinterview eines jungen Mannes aus dem Jahr 2003 wieder auf, der sich als Banksy zu erkennen gab. Die Aufnahmen entstanden etwa zur Zeit der Ausstellung "Turf War" und zeigen einen Mann, der sein Gesicht mit einem schwarzen T-Shirt verdeckte, bei der Anbringung von Graffiti, welche später als Banksy-Werke deklariert wurden.
Der pensionierte Reporter, der das Interview führte, ist sich jedoch bis heute nicht sicher, ob es sich bei dem Mann, mit dem er sprach, tatsächlich um den echten Banksy handelte. Das Interview bleibt trotzdem ein interessanter Rückblick in die Vergangenheit. Dass der britische Straßenkünstler jedoch eines Tages seine Anonymität aufgeben könnte, ist laut Experten unumstritten, insbesondere nachdem er 2020 einen wichtigen Prozess vor Gericht verloren hat.
DER PREIS DER ANONYMITÄT

Wie das Dazed Magazin jüngst berichtete, steht die Marke Banksy derzeit stark unter Druck, da die Grußkartenfirma Full Colour Black einen zweijährigen Rechtsstreit gegen ihn gewonnen hat. Bei dem Prozess klagte die Firma um das Recht, Banksys Kunst auf ihren Produkten verwenden zu dürfen. Bei dem fraglichen Bild handelt es sich um eines seiner berühmtesten Werke "Rage, The Flower Thrower".
Die Richter, die die Entscheidung fällten, nannte Banksys Entscheidung, anonym zu bleiben und seine Kunst auf fremdes und öffentliches Eigentum zu malen, als die entscheidenden Faktoren für das Urteil. Ein Rechtsexperte wies auch darauf hin, dass durch Banksys Anonymität die Gefahr bestünde, dass seine anderen Werke ohne seine Zustimmung von Drittparteien kommerziell genutzt werden könnten.
BANKSY GIBT NICHT NACH

Wenn die Welt hinter deinem Lebenswerk her zu sein scheint, würdest du wahrscheinlich in Erwägung ziehen, deine Überzeugungen ein wenig zu verbiegen, um zu überleben. Banksy aber hält an seinen Werten fest und hält seine Identität vorerst weiter geheim. So viele Firmen und Menschen haben sich schon durch ihn bereichert, was macht da eine mehr oder weniger schon aus?
Außerdem scheint Banksy derzeit ohnehin damit beschäftigt zu sein, weiter Kunst zu schaffen, die sowohl fasziniert als auch tröstet, vor allem während das Vereinigte Königreich und der Rest der Welt während der Pandemie schwere Zeiten durchmachen. Das Land ist derzeit weltweit auf Platz Sieben der Nationen mit mit den meisten COVID-19-Fällen.
EIN PRODUKTIVES JAHR

Im Mai 2020 enthüllte Banksy ein neues Kunstwerk im Southampton General Hospital. Das schwarz-weiß Gemälde zeigt einen Jungen neben einem Container mit Superhelden-Actionfiguren. In seiner Hand hält er etwas, das die Figur einer Krankenschwester mit Gesichtsmaske und Umhang zu sein scheint.
Die Botschaft des Bildes ist eindeutig, und Banksy hinterließ sogar eine Notiz, in der er dem medizinischen Personal für dessen geleistete Arbeit dankte. Die Geste wurde vom NHS, der Organisation, die bei der Bekämpfung der Pandemie an vorderster Front steht, sehr positiv aufgenommen. Das Werk mit dem Titel "Game Changer" wurde auch versteigert, um Spenden für den NHS zu sammeln.
EINE ZEITGEMÄßE BOTSCHAFT FÜR SCHWIERIGE ZEITEN

Sein jüngstes Kunstwerk ist ein weiteres Bild mit einer aufmunternden Botschaft. Im Oktober 2020 veröffentlichte Banksy ein schwarz-weiß Graffiti, das ein kleines Mädchen beim Hula-Hoop Springen vor einem Schönheitssalon in Nottingham zeigt. Viele Passanten freuten sich über das Kunstwerk und meinten, es sei ein dringend benötigtes Stück Positivität in schwierigen Zeiten.
Auch wenn die Welt vielleicht nie die wahre Identität von Banksy erfahren wird, können wir uns ganz offensichtlich weiterhin darauf verlassen, dass er seine Plattform dazu nutzt, den aktuellen Zustand der Gesellschaft zu reflektieren. Und das schließt das Düstere, das Herzzerreißende und manchmal auch das Skurrile mit ein.
BANKSY KOMMT INS KINO

Jetzt, wo die Welt seinen Namen kennt, fragt man sich natürlich, was es für den subversiven Straßenkünstler noch zu tun gibt? Endlich seine wahre Identität enthüllen? Fehlanzeige. Banksy beschloss, sich mit dem Dokumentarfilm “Exit Through the Gift Shop” aus dem Jahr 2010, in dem er und eine interessante neue Figur zu sehen sind, auf das Filmemachen zu konzentrieren.
In dem Film folgen wir Thierry Guetta, einem französischen Einwanderer, der von der Straßenkunst besessen ist. Der Film gibt einen Einblick in die oberen Ränge der Kunstwelt und zeigt, wie der Aufstieg der High-Concept-Graffiti zur Kommerzialisierung der Arbeit von Künstlern führt.
“DEVOLVED PARLIAMENT” ZU REKORDVERDÄCHTIGEM PREIS VERKAUFT

Banksys Gemälde "Devolved Parliament" wurde 2019 für 12,2 Millionen Dollar verkauft und ist damit das teuerste Werk, das bisher aus seinem Portfolio verkauft wurde. Das Werk stellt die Mitglieder des britischen Parlaments als Affen dar und scheint das Chaos zu kommentieren, das die britische Politik nach dem Austritt aus der Europäischen Union beherrscht.
Interessant ist jedoch, dass Banksy das Gemälde im Jahr 2009 schuf, also über ein Jahrzehnt vor dem Brexit. Das beweist, dass seine Botschaft zeitlos ist, und diese Tatsache blieb nicht unbemerkt. “Devolved Parliament” wurde in der Bristol Museum & Art Gallery an genau jenem Tag ausgestellt, an dem das Vereinigte Königreich die politische Union verlassen sollte.
BANKSY HÄLT ES MAKELLOS

Der Verkauf von "Devolved Parliament" hat das Gemeinschaftswerk "Keep It Spotless", das am Valentinstag 2008 für 1,7 Millionen Dollar versteigert wurde, als teuerstes jemals verkauftes Banksy-Werk abgelöst. Abgesehen von den hohen Preisen, die beide Bilder erzielten, ist eine weitere Gemeinsamkeit der beiden Werke, dass sie beide aktuelle Ereignisse kommentieren.
“Keep It Spotless” zeigt die Haushälterin Leanne, die den Boden wischt und dabei ein Gemälde des Künstlers Damien Hirst hervorholt. Die Konzeption des Bildes schien dabei eine Überarbeitung eines früheren Banksy-Werkes mit dem Titel “Sweeping It Under the Carpet” zu sein, das als Metapher für die mangelnde Bereitschaft, sich mit ernsten Themen wie AIDS in Afrika auseinanderzusetzen, interpretiert wurde.
MAN KANN SEINE WERKE KOSTENLOS HABEN, ABER ES GIBT EINEN HAKEN

Banksy ist jedoch keiner, der Kritik einfach nur unter den Teppich kehrt. In einer E-Mail an einen New Yorker Kritiker verteidigt er sich und erklärt, dass er Tausende seiner Gemälde kostenlos verschenkt. Und zwar deshalb, weil er der Überzeugung ist, dass er keine Kunst machen kann die über Armut spricht, während er selbst Geld hortet, das er mit seiner Arbeit verdient.
Jeder ist herzlich dazu eingeladen, seine Bilder kostenlos zu verwenden. Das heißt, solange man nicht vorhat mit seiner Arbeit Geld zu verdienen. Man findet sogar hochauflösende Bilder von Banksys Gemälden und Schablonen auf seiner Website, die man sich herunterladen und ausdrucken kann, um sie in im eigenen Zuhause zu genießen.
DAS DILEMMA DES UNFREIWILLIGEN KÜNSTLERS

Wenn Sie Banksy jetzt immer noch für einen Heuchler halten, sollten Sie die Schuld vielleicht bei den Leuten suchen, die seine Werke von der Straße nehmen und sie für Millionen von Euro verkaufen. In diesem Zusammenhang ist Banksy nämlich ein Künstler, der schlicht und ergreifend keine Kontrolle darüber hat, wie und von wem seine Werke verkauft werden.
Eine schnelle Suche auf Websites wie eBay nach Banksy-Imitaten liefert innerhalb von wenigen Sekunden Tausende von Ergebnissen. Von Straßenfotografen über Nachahmer bis hin zu Kunsthändlern scheint es, als würden alle anderen von seiner Kunst profitieren, nur eben er nicht. Banksy ist aber nicht dumm…
ER IST EIN REBELL DURCH UND DURCH

Sein Status als Phantom-Berühmtheit und Rebell wurde 2003 durch seine bahnbrechende Ausstellung “Turf War” erneut zementiert. Die Veranstaltung wurde von Fans, der Polizei und sogar prominenten Persönlichkeiten wie dem Koch Jamie Oliver und der DJane Sara Cox besucht. Banksy, der damals 28 Jahre alt war, brachte seine unkonventionellen Ansichten über Kunst zum Ausdruck.
In einem Gespräch mit Artnet sagte er, dass Malen "scheiße" sei und er bald etwas anderes finden werde, womit er seine Zeit besser verbringen könne. Er kritisierte sogar das Galeriesystem und die Millionäre, die der Kunst ein Preisschild anheften. Bei Banksy bleibt es aber sicher nicht nur bei großen Worten. Schon bald begab er sich auf Welttournee und spielte angesehenen Museen rund um den Globus einen Streich.
BANKSY'S WELTTOURNEE

In voller Montur verleidet besuchte Banksy über ein Jahr lang Museen wie den Louvre in Paris und das Metropolitan Museum of Art (MoMA) in New York City. Aber er tat mehr, als nur die Werke der Meister vor ihm zu betrachten und sich inspirieren zu lassen.
Banksy schaffte es, seine eigene Version der berühmten Mona Lisa im Louvre aufzustellen, komplett mit einem Smiley-Gesicht. Unter dem Namen “Mona Lisa Smile” wurde das Bild schließlich für 56.000 £ (75.000 $) versteigert. Im Big Apple hat er unter anderem ein Porträt einer Frau mit einer Gasmaske mitten im MoMA aufgehängt.
GOING, GOING GONE

Das Bild "Girl With Balloon" wird den meisten wahrscheinlich bekannt sein. Ein kleines Mädchen in schwarz-weiß steht neben einem herzförmigen roten Luftballon. Es ist eines der bekanntesten Werke von Banksy. Doch an jenem Oktobertag im Jahr 2018 wurde es eingerahmt, anstatt nur auf einer Straßenwand zu hängen. Ein Anzug tragender Auktionator von Sotheby's nahm Gebote für das Werk entgegen.
Während der Preis immer weiter in die Hunderttausende stieg, schien auch die Spannung in der vollbesetzten Galerie immer größer zu werden. Und dann kam der Zuschlag bei 860.000 £ (1,2 Mio. $), aufgerundet auf eine glatte 1 Mio. £ (1,4 Mio. $), einschließlich Aufgeld. Der Hammer fiel, und die Menge jubelte, nicht ahnend, was als nächstes passieren würde…
DER DRANG ZUR ZERSTÖRUNG IST EIN KREATIVER

Das Bild "Girl With Balloon" (Mädchen mit Luftballon) begann, sich nach unten zu bewegen und wurde mit einer scheinbar in den Rahmen eingebauten Vorrichtung Stück für Stück in kleine Streifen geschnitten. Alle in der Galerie waren schockiert. Als das Personal eintraf, war die Hälfte des Werks bereits nicht mehr zu retten. Der Verdacht, dass die Bieter "ge-Banksy-ed" wurden, machte schnell die Runde.
Sie hatten Recht. Der anonyme Künstler teilte bald darauf auf Instagram ein Video, das einen Mann zeigt, der Klingen in den Rahmen des Bildes einsetzte, was Berichten zufolge schon Jahre vor der Versteigerung des Gemäldes geschah. Er betitelte den Beitrag mit einem einfachen Zitat von Pablo Picasso: "Der Drang zu zerstören ist auch ein kreativer Drang".
EIN EINFACHES, ABER WIRKUNGSVOLLES BILD

Inzwischen hat Banksy das zerfetzte “Girl With Balloon” als neues Werk mit dem “Titel Love Is In The Bin” validiert. Der Käufer stimmte schließlich zu, das Gemälde zu akzeptieren und sagte, er sei nun Besitzer eines Stücks Kunstgeschichte.
Es ist nicht das erste Mal, dass das ikonische Banksy Bild neu interpretiert wurde, seit es in den frühen 00er Jahren zum ersten Mal gedruckt wurde. Entweder als Symbol für Hoffnung und die Ankunft der Liebe oder für den Verlust der Unschuld interpretiert wurde das Bild zum Gedenken an den Jahrestag des syrischen Bürgerkriegs im Jahr 2014 erneut umgestaltet.
ISRAEL WAR SEINE LETZTE HALTESTELLE AUF DEM WEG ZUR WELTWEITEN BERÜHMTHEIT

Auf den Spuren seiner Museumstournee fand sich Banksy 2005 in Israel wieder. Mit Sprühfarbe und einer wichtigen Botschaft bewaffnet, schablonierte er kraftvolle Bilder zum Thema Flucht und der Flüchtlingskrise auf die heiß umstrittene Sperrmauer im Westjordanland. Wie er das geschafft hat, ohne erwischt zu werden? Da tappen wir genauso im Dunkeln wie Sie.
Zu den Bildern, die er hinterlassen hat, gehört ein Mädchen, das von Luftballons hochgehoben wird, als ob es versuchen würde, die Mauer zu überqueren. Banksy malte auch daneben auch eines seiner ikonischsten Werke, “Rage, Flower Thrower”, an die Mauer in Jerusalem. Das Bild, ein Mann, der eine Blume statt eines Molotowcocktails wirft, wird als Message gegen Kriege und die Militarisierung gesehen.
BANKSY MACHT SCHÄDLINGSBEKÄMPFUNG

Um zu verhindern, dass Leute zum Kauf von Fälschungen verleitet werden, schuf Banksy die treffend benannte “Schädlingsbekämpfung”, ein Büro, das seine Werke validiert und den Besitzern Zertifikate ausstellt. Darüber hinaus dient es als einzige Anlaufstelle, um den zurückgezogen lebenden Banksy zu erreichen.
Das Büro fungiert aber auch als eine Art Erziehungsberechtigter des Künstlers, da seine Mitarbeiter seinen Papierkram erledigen und natürlich auch seine “Hate Mail”abfangen. Doch damit sind noch nicht alle Fragen beantwortet, die es über zu Banksy zu beantworten gilt. Wie verdient Banksy zum Beispiel seinen Lebensunterhalt? Und, noch wichtiger, wie reich ist er?
WIE REICH IST BANKSY WIRKLICH?

Banksys Nettovermögen ist wohl eines der Dinge, die wir höchstwahrscheinlich nie über ihn in Erfahrung bringen werden. Obwohl diverse Quellen im Netz sein Vermögen auf 20 bis 50 Millionen Dollar beziffern, handelt es sich dabei wahrscheinlich bestenfalls um grobe Schätzungen. Wie er mit seinen Werken Geld verdient, darüber hat die Website Artspace ihre eigenen Vermutungen.
Höchstwahrscheinlich verkauft er seine Werke direkt aus dem Atelier über “Pictures on Walls” (POW), ein Künstlerkollektiv, das von Banksy und “Pest Control” mitbegründet wurde. Je nach Größe kann ein signierter Druck seines Bildes für 20.000 bis 40.000 Dollar verkauft werden, und er erhält einen Anteil am Verkauf. Im Moment verkauft Pest Control allerdings keine seiner Werke.
EIN KURZER BLICK IN BANKSYS GEHEIMEN UNTERSCHLUPF

Als Banksy vor einiger Zeit ein Video hochlud, in dem er versuchte, sein Gemälde "Girl with Balloon" bei einer Auktion zu zerstören, gewährte er uns allen einen Blick in sein Atelier. Es überrascht nicht, dass Banksys gute Stube wie jede andere Künstlerwerkstatt aussieht, gefüllt mit Druckmaschinen und Farben.
Seine Werkstatt war jedoch mit allem ausgestattet, was man brauchen würde, um einen ferngesteuerten, batteriebetriebenen Schredder an seinen Druck zu befestigen, nur für den Fall, dass er jemals verkauft werden würde. Zwar werden wir vermutlich nie die wahre Identität des Straßenkünstlers Banksy kennen, aber zumindest war er so freundlich, uns einen Blick in seinen Unterschlupf zu gewähren.