Eine ungewöhnliche Geschichte

Als Adoptivkind wuchs Sarah in den USA auf, ohne ihre leibliche Familie je kennengelernt zu haben. Nach einigen Nachforschungen fand die junge Amerikanerin schließlich die Familie ihres leiblichen Vaters in Sierra Leone und machte dabei eine unglaubliche Entdeckung: Sie war eine Prinzessin. Doch schon bald würde Sarah herausfinden, dass ihr neuer Titel auch einige schwierige Verantwortungen und herzzerreißende Erfahrungen mit sich brachte. Lesen Sie hier weiter, um die Geschichte der Frau zu erfahren, die über Nacht zu einer Prinzessin wurde.
Ein Adoptivkind

Sarah Culberson wuchs in West Virginia, in den USA auf. Sie war als kleines Kind von einer weißen US-amerikanischen Familie adoptiert, und aufgezogen worden. In ihrer Kindheit hatte ihre große Schwester ihren Freundinnen oft erklären müssen, dass Sarah adoptiert war, und dass sie zur Hälfte aus den USA, und zu Hälfte aus Westafrika stammte. Sarah wusste also schon immer, dass sie ein Adoptivkind war, und dass die Familie, mit der sie aufwuchs, nicht ihre leibliche Familie war. Im Alter von 28 Jahren begab sie sich schließlich auf die Suche nach ihren Wurzeln, und machte eine überraschende Entdeckung.
Sarahs leibliche Mutter

Als allererstes entschied Sarah sich dazu, sich auf die Suche nach ihrer leiblichen Mutter zu machen. Sarah hatte schon immer gewusst, dass ihre Mutter eine weiße US-Amerikanerin war, und es war nicht schwierig, sie ausfindig zu machen. Sarah war Anfang zwanzig, als sie ihre leibliche Familie mütterlicherseits kennenlernte. Leider lernte sie schon bald, dass ihre Mutter bereits an Krebs verstorben war. Trotzdem war ihre Suche nicht vergebens gewesen, denn Sarah fand so einiges über das Leben ihrer Mutter heraus, und lernte zudem auch ihre leibliche Tante kennen, zu der sie eine Beziehung aufbauen konnte.
Ein zögerlicher Prozess

Was ihren Vater anging, so haderte Sarah eine ganze Weile, bis sie sich dazu entscheid, auch ihn ausfindig zu machen. Schließlich hatte er seine Tochter aufgegeben, und Sarah wusste nicht so recht, ob sie diesen Mann tatsächlich kennenlernen wollte. Nach einer Weile versuchte die junge Frau sich allerdings in die Situation ihres Vaters hineinzuversetzen. Er war ein farbiger Mann gewesen, der in den siebziger Jahren ein Kind mit einer weißen Amerikanerin gehabt hatte. Zu dieser Zeit muss dies alles andere als einfach gewesen sein. Schließlich entschied Sarah sich dazu, ihrem Vater eine Chance zu geben, und machte sich auf die Suche.
Die Suche

Sarah stellte einen Privatdetektiv ein, der sich auf die Suche nach ihrem leiblichen Vater machen sollte. Nachdem die junge Frau ihr Bestes getan hatte, um ihre Lebensgeschichte aus der Perspektive ihres Vaters zu betrachten, und sich dazu entschieden hatte, etwas verständnisvoller mit ihm umzugehen, konnte sie es nun kaum erwarten, ihn kennenzulernen. Nach einer ganzen Weile wurde der Privatdetektiv dann endlich fündig und teilte Sarah mit, dass einige Familienmitglieder ihres leiblichen Vaters in Maryland lebten. Das Beste, was Sarah nun tun könne, sei wohl, mit ihnen Kontakt aufzunehmen, um mehr über ihren Vater herauszufinden.
Der Brief

Der Detektiv, den Sarah angestellt hatte, riet ihr, der Familie ihres Vaters einen Brief zu schreiben, um ersten Kontakt mit ihnen aufzunehmen. Also machte Sarah sich daran, einen Brief zu verfassen, in dem sie ausdrückte, wer sie überhaupt war, und wie gern sie ihren Vater kennenlernen würde. Mittlerweile hatte sie zudem herausgefunden, dass die Familie ihres Vaters ursprünglich aus Sierra Leone stammte. Nachdem der Brief abgeschickt worden war, hieß es nun abwarten. Es dauerte vier Tage, bis endlich das Telefon klingelte, und Sarah mehr über ihre leibliche Familie herausfinden konnte.
Ein Telefonanruf

Sarah nahm den Hörer ab, und eine weibliche Stimme war am anderen Ende der Leitung zu hören. “Hallo Sarah, ich bin’s, deine Tante Evelyn. Wie geht’s dir?”, sagte die Frau, die Sarah angerufen hatte. Sarah war zunächst wie versteinert. Sie war unglaublich nervös ihre Familie kennenzulernen, und obwohl sie sich natürlich über den ersten Kontakt freute, wusste sie im ersten Moment nicht so ganz, was sie sagen sollte. Sie hatte schließlich ihr ganzes Leben ohne ihre leibliche Familie verbracht, und ihre Tante sprach mit ihr, als würden sie sich schon Jahrelang kennen. Glücklicherweise war ihre Familie so offenherzig, dass Sarah sich schon bald wohlfühlte.
Sarahs Onkel

Sarahs Tante Evelyn gab nach einer Weile den Hörer weiter an ihren Ehemann, und dieser konnte seine Freude darüber, seine Nichte am Telefon zu hören kaum verbergen. “Oh, Sarah!”, rief der Onkel der jungen Frau, “Wir sind so froh, dass wir dich gefunden haben!”. Dann sagte er jedoch etwas, was Sarah verwirrte. “Weißt du eigentlich, wer du bist?”, lachte ihr Onkel. Sarah wusste nicht so ganz was sie sagen sollte. “Ich bin Sarah?” entgegnete sie. Sie hatte keine Ahnung, was ihr Onkel damit gemeint hatte, und was er ihr als Nächstes mitteilte, würde ihr Leben für immer verändern.
Eine Königsfamilie

“Du bist ein Mitglied einer Königsfamilie”, sagte ihr Onkel. Bevor Sarah etwas entgegnen konnte, fuhr er fort: “Dein Urgroßvater war ein Häuptling, und ebenso war dein Großvater. Dein Onkel führt ein Häuptlingstum von 70 000 Menschen an, und auch du kannst eine Anführerin sein. Du wirst in diesem Land als Prinzessin angesehen”. Sarah war sprachlos. Alles, was sie nach einer Weile erwidern konnte, war “Wie bitte?”. Sarah hatte nicht gewusst, was sie von dem ersten Kontakt mit ihrer Familie hatte erwarten sollen, doch dass sie eine Prinzessin war, hätte sie nie erahnen können.
Der Mende-Stamm

Tatsächlich erfuhr Sarah Culberson an diesem Tag, dass sie Teil eines Königshauses des Stammes der “Mende” in Bumpe, Sierra Leone sei. Als Kind des Oberhäuptlings hatte sie den Titel “Mahaloi” inne, und galt damit als Prinzessin des Dorfes Bumpe. Die Mende sind eine der beiden größten ethnischen Gruppen in Sierra Leone und machen 33,2 Prozent der Bevölkerung des Landes aus. Der Stamm ist im Allgemeinen im Osten und Süden des Landes zu finden. Sarah wusste nicht, was sie sagen sollte. Mit einer solchen Neuigkeit hätte sie nie rechnen können.
Kontakt zu ihrem Vater aufnehmen

“Wir werden Kontakt mit deinem Vater in Sierra Leone aufnehmen”, fuhr ihr Onkel fort. “Er wird so glücklich darüber sein, dich endlich kennenzulernen.” Sarah fiel ein Stein vom Herzen. Ihr Vater wollte sie also ebenso gern kennenlernen, wie sie ihn. Über die nächsten Tage sprach Sarah immer wieder mit ihrem leiblichen Vater, und konnte langsam eine Beziehung zu ihm aufbauen. Schließlich entschied die junge Frau sich dazu, persönlich nach Sierra Leona zu fliegen, um ihren Vater zu besuchen, und das Land kennenzulernen, aus dem sie ursprünglich stammte.
Die Ankunft

Nach einem langen Flug von den USA nach Sierra Leone, stieg Sarah endlich aus dem Flugzeug aus. Schon von Weitem konnte sie ihren Vater entdecken, der am Flughafen auf sie gewartet hatte. Er wirkte unglaublich nervös, und sah wie versteinert aus. Sarah konnte deutlich in seinen Augen sehen, dass er sich wünschte, dass seine Tochter sich gut mit ihm verstehen, und ihn akzeptieren würde. Sarah war natürlich mindestens genauso nervös, denn obwohl die beiden schon öfters am Telefon miteinander gesprochen hatten, war es doch etwas anderes, ihren Vater nun persönlich kennenzulernen.
Die erste Nacht in Sierra Leone

Nach einer Fahrt mit der Fähre übernachteten Sarah und ihr Vater an diesem Abend in einem kleinen Hotel. Am nächsten Tag klopfte es an Sarahs Zimmertür, und ihr Vater stand vor ihr. Er reichte ihr ein wunderschönes, traditionelles, westafrikanisches Kleid, und sagte, es würde ihn sehr glücklich machen, wenn Sarah dieses Kleid morgen tragen könnte. Am nächsten Tag wollten die beiden nämlich in das Dorf der Familie reisen, wo Sarah den Rest ihrer Familie kennenlernen sollte. Sarah stimmte natürlich zu, und zog das Kleid liebend gern an.
Die erste Begegnung

Am nächsten Tag reisten Sarah und ihr leiblicher Vater schließlich zu seinem Dorf, um Sarah endlich ihrer neu gefundenen Familie vorzustellen. Hier geschah nun etwas, mit dem die Amerikanerin nie gerechnet hätte. Immer mehr Leute kamen hervor um Sarah zu begrüßen, als sie in dem Dorf ankam, bis die junge Frau schließlich von hunderten von Menschen umringt war. Niemand hatte Sarah hier je zuvor gesehen, doch alle wollten sie endlich kennenlernen. Sarah war sprachlos, denn mit einem solchen Begrüßungskomitee hätte sie nie rechnen können. Es war als wäre sie von einer langen Reise zurückgekehrt.
Das grüne Kleid

Sarah hatte an diesem Tag das grüne Kleid angezogen, dass ihr Vater ihr überreicht hatte, und nun sollte sie auch herausfinden, warum es ihrem Vater so wichtig gewesen war, dass sie es heute anzog. Die Menschenmenge die Sarah umringte tat sich plötzlich auf, und die Frauen des Dorfes traten hervor, und schritten auf Sarah zu. Die junge Amerikanerin stellte fest, dass all die Damen dasselbe, traditionelle grüne Kleid trugen wie Sarah selbst. Es war ein wirklich besonderer Anblick, den Sarah wohl nie vergessen wird, und sie war überwältigt, wie feierlich sie hier begrüßt wurde.
Wir bereiten uns auf Sarah vor

Das war jedoch noch längst nicht alles, denn als die Frauen auf Sarah zuschritten begannen ein Lied in Mende zu singen, dass die Ankunft ihrer Prinzessin feiern sollte. Sie sangen immer wieder die Worte “Wir bereiten uns auf Sarah vor”, während sie auf die junge Frau zugingen. Sarah hatte keine einzige Person aus dem Dorf je zuvor getroffen, doch ihre Ankunft wurde gefeiert, als kenne sie jeden Menschen hier schon seit Jahren. Es war eine wirklich überwältigende Erfahrung, doch schon bald würde Sarah die dunkleren Seiten ihres Besuchs erfahren.
Ein bedingungsloses Willkommen

Sarah fühlte sich sofort wie zu Hause, und konnte kaum glauben, wie freudig sie hier von Menschen empfangen wurde, die sie noch nie zuvor getroffen hatte. Sie musste sich selbst manchmal zwicken, um sicherzugehen, dass dies alles tatsächlich geschah. Sie hatte nichts Besonderes getan, hatte nichts gewonnen oder geleistet. Sie war einfach nur in das Dorf gekommen, und das reichte völlig aus, um sie gebührend zu feiern. Sarah war ein solch traditionsreiches willkommen, und solch bedingungslose Wärme aus den USA nicht gewöhnt, und es war eine unvergessliche Erfahrung für die junge Frau.
Eine lebensverändernde Erfahrung

Sarah berichtete in einem Interview, dass diese Erfahrung ihr Leben zweifellos für immer verändert hatte. "Es war schockierend, unglaublich, überwältigend, aufregend. Es war wunderschön, glorreich und erhaben!", beschrieb Sarah ihre erste Begegnung mit den Anwohnern des Bumpe-Dorfes. Noch vor einigen Wochen, hatte sie keine Ahnung gehabt, wer ihr Vater überhaupt war, und woher ihre Familie stammte, und nun war sie augenblicklich Teil einer hundertköpfigen Familie, die Sarah ihre Freude über ihre Rückkehr mit ihren traditionellen Feierlichkeiten demonstrierten. Es war wirklich ein ganz besonderer und unvergesslicher Tag für die neue “Mahaloi” des Dorfes.
Eine Prinzessin

Sarah Culberson war in den USA als Tänzerin und Schauspielerin tätig gewesen. Was genau es bedeutete, eine Prinzessin in Sierra Leone zu sein, wusste sie natürlich überhaupt nicht. Den Titel “Prinzessin” kannte sie, wie die meisten von uns, nur aus den Filmen. Tatsächlich bedeutete Ihr königlicher Titel keinesfalls, dass sie zu Ruhm und Reichtum kam. Stattdessen lernte sie schon bald, dass es bedeutete, dass sie so einige neue, und oft schwierige Verantwortungen übernehmen musste. Die Feierlichkeiten, und das herzliche Willkommen des Dorfes waren jedoch zweifellos eine Bereicherung für sich.
Offenherzig

Sarahs Adoptivvater James Culberson berichtete in einem Interview, dass Sarah schon als Kleinkind äußerst offenherzig und selbstbewusst gewesen war. Sie sei stets auf Fremde zugegangen, und habe es schon immer geliebt, neue Kontakte zu knüpfen. Das sei heute, im Erwachsenenalter, auch nicht anders. All diese neuen Gesichter kennenzulernen, war also eine fantastische Erfahrung für Sarah, und sie fühlte sich schnell wohl in dem Dorf ihres Vaters. Allerdings würde sie schon bald herausfinden, dass die Dinge hier nicht immer so bunt und rosig waren, wie an dem feierlichen Tag ihrer Ankunft.
Die traurige Wahrheit

Es war das Jahr 2004, als Sarah Culberson das Dorf ihrer leiblichen Familie in Sierra Leone das erste Mal besuchte. Zu dieser Zeit hatte das Land gerade einen elf Jahre langen Bürgerkrieg hinter sich gehabt, und die Folgen waren deutlich zu sehen. Nachdem das Dorf in den nächsten Tagen weiterhin die Ankunft ihrer Prinzessin gefeiert hatte, bekam Sarah schließlich eine Tour über den Kampus von der Highschool des Dorfes. Hier war es, als es Sarah zu dämmern begann, wie schlimm das Leben für diese Menschen in den letzten Jahren gewesen sein musste.
Das Erbe ihrer Vorfahren

Sarah erfuhr, dass ihr Großvater vor Jahren dabei geholfen hatte, die Schule zu errichten. Allerdings hatte der Krieg seine Zeichen hinterlassen. Das Dach des Speisesaals fehlte komplett, und das Gebäude hatte deutliche Schäden erlitten. Was Sarah jedoch am meisten schockierte war, wie viele Kinder sie hier zu Gesicht bekam, denen Arme oder Beine fehlten. Diese Kinder hatten so viel Leid durchgemacht, und es war herzzerreißend, die traurige Wahrheit über das Dorf zu erfahren. Langsam wurde Sarah bewusst, dass dies nicht nur ein freudiges Willkommen sein würde, sondern ein Tag, der ihr Leben verändern sollte.
Sierra Leones traurige Geschichte

Anfang der neunziger Jahren entfachte ein Krieg in Sierra Leone, bei dem es sich zum großen Teil um die Kontrolle des Diamantenvorkommens des Landes drehte. Eine Rebellenorganisation wollte die korrupte Regierung des Landes stürzen, doch statt finanzielles Gleichgewicht zu schaffen, kamen unzählige unschuldige Menschen ums Leben. Die Rebellen zwangen Kinder dazu, als Soldaten für sie anzutreten, und insgesamt 50 000 Menschen starben in den Kämpfen. Die Rebellen eroberten einige Städte, in denen Diamantenminen lagen, und wurden zu einer übermächtigen Gewalt in Sierra Leone.
Eine neue Macht

Die Regierung des Landes war nun so gut wie bankrott, und daher konnte die nationale Armee den Rebellen nicht viel entgegensetzen. Die Gewalt, die sowohl von den Rebellen, als auch von der Armee ausging, richtete sich zudem oft nicht gegeneinander, sondern gegen die unschuldige Zivilbevölkerung des Landes. In den größeren Städten entstanden Flüchtlingslager, als einziger Zufluchtsort für die Menschen Sierra Leones. Der Bürgerkrieg dauerte von 1991 bis 2002 an. Als Sarah also zum ersten Mal in das Land ihres Vaters reiste, war der Konflikt erst seit nur zwei Jahren vorüber gewesen.
Eine Nervosität

Sarah konnte deutlich spüren, dass die Dinge sich erst vor Kurzem beruhigt hatten, und dass die meisten Menschen hier von dem gewaltvollen Jahrzehnt stark traumatisiert waren. Sie berichtete in einem Interview: "Ich spürte die Unruhe in Freetown (der Hauptstadt des Landes). Ich konnte in der Luft spüren, dass die Menschen hier nervös waren und versuchten, sich zu schützen. Obwohl seit zwei Jahren Frieden herrschte, waren die Menschen immer noch auf der Hut." Zudem waren die Kinder, denen sie hier begegnete seit ihrer Geburt mit Gewalt und in Angst aufgewachsen.
Die Folgen

Obwohl mittlerweile Frieden in Sierra Leone herrschte, waren die Folgen noch immer verheerend. Nicht nur körperliche Verletzungen, und mentales Trauma beeinträchtigten die Menschen hier, sondern auch finanzielle Not. Die Konflikte hatten die Wirtschaft des Landes natürlich stark beeinträchtigt, und viele Menschen lebten nun in furchtbaren Bedingungen. Sarah wurde all das bewusst, als sie über den Kampus der Highschool von Bumpe spazierte. Sie war behütet und sicher in den USA aufgewachsen, während Teile ihrer Familie furchtbare Zeiten hatten überstehen müssen. Sie wusste, dass sie diesen Menschen nicht einfach den Rücken kehren konnte.
Die Verantwortung einer Prinzessin

Sarahs Adoptivvater erzählte, dass Sarah seit dem ersten Besuch in Sierra Leone ihre Rolle als Prinzessin des Dorfes als eine soziale Verantwortung verstanden hatte. Nachdem sie das Leid des Landes ihres leiblichen Vaters mit eigenen Augen gesehen hatte, wusste sie, dass sie etwas tun musste. Ihre persönlichen Träume davon, eine Schauspielerin zu werden, konnten warten, denn ihre Pflichten als Oberhaupt dieses Dorfes riefen sie. “Ich konnte nicht einfach in die USA zurückkehren, und sagen: Oh wow, ich hoffe, ihr kriegt das hier alles wieder auf die Reihe”, sagte Sarah in einem Interview. Sie wusste, dass sie selbst mit anpacken musste.
Die Realität

Auch wenn die letzten Tage der neuen Prinzessin von Bumpe absolut unwirklich erschienen waren, wurde Sarah nun bewusst, dass dies tatsächlich die Realität war, und nicht etwa ein seltsamer Traum. Dies war auch nicht der “Blooddiamond”-Film, den sie einfach ausstellen konnte, wann auch immer sie wollte, und wenn die Dinge zu traurig wurden. Die Menschen von Bumpe waren auch keine Fremden, die sie einfach vergessen konnte, sie waren ihre Familie. Sie brauchten ihre Hilfe, und Sarah wollte alles daran setzen, ihnen nach dieser schweren Zeit wenigstens etwas unter die Arme greifen zu können.
Die Fußstapfen ihrer Vorfahren

Sarah begann nun zu verstehen, was es wirklich hieß, eine Prinzessin zu sein. “Es geht darum, in die Fußstapfen meines Urgroßvaters und Großvaters zu treten und was sie für das Land getan haben. Ich habe erkannt, dass das meine Rolle als Prinzessin ist, die Dinge im Land weiter voranzubringen”, erklärte Sarah in einem Interview. Sarah wusste, dass Ihr Großvater die Schule erbaut hatte, in der nun die Spuren der letzten Jahre deutlich zu sehen waren, und sie verstand, dass es nun an ihr lag, sein Werk fortzuführen, und es wieder aufzubauen.
Zusammenarbeit

In den kommenden Jahren arbeiten Sarahs Adoptivfamilie und ihre leibliche Familie zusammen, um eine gemeinnützige Organisation ins Leben zu rufen, die örtliche Gemeinschaften in Sierra Leone unterstützen sollte. Es war fast so, als wäre Sarah für genau diese Rolle geboren worden, denn das Zusammenführen ihrer beiden Familien konnte nun so viel Gutes in Sierra Leone bewirken. Nicht nur für die Bewohner Bumpes, sondern auch für Sarah war die gemeinnützige Arbeit ein echtes Geschenk. “Diese Stiftung hat uns alle auf so wunderbare Weise zusammengebracht”, berichtete sie, und erklärte, wie die Arbeit ihr Leben bereichert hatte.
Zusammenwachsen

“Mein leiblicher Vater und ich haben viel mit der gemeinnützigen Stiftung zusammengearbeitet, zusammen mit meinem Bruder. Ich bin in einen Bereich hineingetreten, der für mich sehr neu war und mich in vielerlei Hinsicht herausgefordert hat”, erzählte Sarah in einem Interview. Die Erfahrung ließ sie enger mit ihrer leiblichen Familie zusammenwachsen, und wir sind uns sicher, dass ihr leiblicher Vater heute sehr stolz auf seine Tochter ist. Die Suche nach ihrem leiblichen Vater hatte sich als so viel mehr herausgestellt, als sowohl Sarah als auch ihr Vater jemals hätten erwarten können.
Die Arbeit der Stiftung

“Ich dachte mir: 'Okay, lasst uns das durchziehen. Ich bin bereit, die jegliche Arbeit zu erledigen. Was auch immer es auch kosten mag”, erzählte Sarah. Ihre Motivation zahlte sich in den kommenden Jahren zweifellos aus, denn die Amerikanerin berichtete, dass die Stiftung mittlerweile schon ungefähr 12 000 Menschen mit sauberem Trinkwasser versorgen konnte. Wasser sei in den letzten Jahren ein großer Fokus für die gemeinnützige Organisation gewesen, und sie hatten Brunnen in verschiedenen Gemeinden des Landes errichten können, um den Menschen Zugang zu sauberem Wasser zu gewähren, das sie so nötig brauchten.
Covid-19

Auch für Sarahs Arbeit in Sierra Leone bedeutete die globale Covid-19-Pandemie natürlich eine weitere, riesige Herausforderung, mit der sie nicht hätte rechnen können. Im letzten Jahr rief die gemeinnützige Stiftung der Prinzessin die “Mask on Africa”-Kampagne ins Leben, die die Verbreitung des Virus in Sierra Leone eindämmen sollte. In Rahmen dieser Aktion wurde den Menschen einiges über Hygiene beigebracht, doch schon zuvor hatte sich die Stiftung mit dem Thema auseinandergesetzt. So hatten sie beispielsweise wiederverwendbare Binden, für menstruierende Frauen zur Verfügung gestellt, die für viele Frauen dort wirklich lebensverändernd waren.
Sarahs Geschichte

Sarah verfasste in den kommenden Jahren ein Buch über ihre Lebensgeschichte, und die, ihres Vaters. Das Buch “A Princess Found” kam im Jahr 2009 heraus, und schildert diese ungewöhnliche und herzerwärmende Erzählung, mit Details über das Leben ihres Vaters in Sierra Leone, und die Arbeit, die Sarah verrichtet hatte, nachdem sie erstmals erfahren hatte, dass sie eine Prinzessin in Sierra Leone war. Sarah sagte, mit ihrem Titel habe sie enorme Verantwortung geerbt. Heute ist es ihr wichtig ihre Geschichte mit der Welt zu teilen, um auch andere Menschen zu inspirieren.
Ein Disney-Film

Um ihre Erfahrungen auch mit jungen Menschen teilen zu können, führt Sarah heute Gespräche mit Disney, um ihre Geschichte eventuell als Zeichentrick-Film produzieren zu lassen. Was wäre schließlich eine passendere Geschichte für Disney, als eine Frau, die über Nacht herausfindet, dass sie eine Prinzessin ist? Auch die erfolgreiche Produzentin Stephanie Allain möchte einen Film produzieren, der auf dem Leben der Prinzessin basiert. Sarah ist es jedoch vor allem wichtig, die Menschen über das Leid in Sierra Leone zu informieren, und darüber, wie wir alle unseren Teil tun können, um unseren Mitmenschen zu helfen, wenn wir nur wollen.
Ihre afrikanischen Wurzeln

Ein weiterer Punkt, der Sarah wichtig ist, ist jungen Afroamerikanern ihre Wurzeln näherzubringen. Sie berichtete, dass viele aus Afrika stammende Amerikaner den Kontinent absolut nicht kannten, und nicht viel von der Kultur ihrer Vorfahren wussten. Sarah sagte, dass, wenn es um afroamerikanische Geschichte ging, der Fokus oft auf dem Thema des Sklavenhandels lag, welcher zweifellos ein wichtiges Thema ist, welches es zu behandeln gilt, doch oft werde vergessen, wo diese Menschen eigentlich hergekommen waren. Sarah sagte, dass oft vernachlässigt werde, dass die Sklaven natürlich nicht immer Sklaven gewesen waren, sondern vorher ein Leben in Afrika geführt hatten.
Eine neue Perspektive

Über den Film, der bald aus ihrem Buch entstehen soll, sagte Sarah, dass es eine wunderbare Möglichkeit sei, nicht nur den Sklavenhandel zu beleuchten, welcher schon oft in Filmen gezeigt worden sei, sondern das Leben der Afrikaner, bevor sie gewaltsam aus ihrer Heimat gerissen worden waren. Der Sklavenhandel sei ein wichtiger Teil der afroamerikanischen Geschichte, doch er sei bei Weitem nicht alles, erklärte Sarah. Die Prinzessin berichtete, dass sie glücklich darüber sei, eine Geschichte erzählen zu können, die sich mit ihren afrikanischen Wurzeln befasst, und das Leben ihrer Familie in Sierra Leone beleuchtet.
Ein fehlender Teil der Geschichte

“Wir waren Afrikaner - Mütter, Väter, Ärzte, Anwälte, Heiler - und dann wurden wir zu Sklaven gemacht. Ich habe das Gefühl, dass es einen fehlenden Teil in unserer Geschichte gibt. Ich möchte, das Afroamerikaner wissen, wer wir sind, und wo wir herkamen. Es ist schon so lange her, und wir waren schon so lange davon losgelöst, doch es ist tatsächlich unser Ursprung”, erklärte Sarah. Mit ihrem Buch, und den bald folgenden Verfilmungen, möchte sie diese Nachricht in der Welt verbreiten. Doch das ist nicht die einzige inspirierende Sache, die Sarahs Geschichte der Welt zu bieten hat.
Es gibt nichts, was du nicht erreichen kannst

Sarahs Freundin, Amy Cumpston, sagte in einem Interview: "Eine Sache, die Sarah mir durch ihre Erfahrung gezeigt hat, ist, dass man nie wissen kann, was man alles erreichen kann, wenn Grenzen inakzeptabel werden. Einer meiner größten Wünsche für meine Kinder ist, dass sie verstehen, was für einen großen Einfluss sie in dieser Welt haben können." Tatsächlich konnte Sarah so viel dadurch Verändern, dass sie den Menschen in Bumpe einfach nicht mehr den Rücken kehren konnte. Diese Aufgabe wurde das allerwichtigste für sie, und sie erreichte unglaublich viele Dinge, und half bereits unzähligen Menschen.
16 Jahre später

Es ist nun schon 16 Jahre her, als Sarah zum ersten Mal erfuhr, dass sie eine Prinzessin war. Ihr erster Besuch in Sierre Leone veränderte ihr Leben für immer, und auch wenn sie ihre persönlichen Träume zwischenzeitlich auf Eis legen musste, so sagt Sarah heute doch, dass die Erfahrung es zweifellos wert gewesen war. “Es hat mich zum Positiven verändert", sagt sie. "Es hat mich definitiv so sehr als Person wachsen lassen - und das wirklich schnell. Ich sehe die Bedeutsamkeit. Ich sehe, dass ich nur einer der Faktoren bin, der die Arbeit in Sierra Leone voranbringt. Ich ehre es und schätze es."